
Marquez im Titelfieber: Schmerzen, Nervenversagen und der Traum vom zehnten Stern
Marc Marquez kämpft nach einer dramatischen Verletzungsserie und einer weiteren Operation um seinen zehnten WM-Titel – und gibt erstmals offen zu, wie nahe ihm diese Saison wirklich gegangen ist.
Es scheint, als würde Marc Marquez keine Ruhe kennen. Kaum hatte er seinen MotoGP-Weltmeistertitel 2025 in trockene Tücher gebracht und eine der bemerkenswertesten Comebacks der Motorsportgeschichte vollendet, wartete schon die nächste gewaltige Prüfung auf ihn. Der Weg zur möglichen Weltmeisterschaft Nummer zehn war alles andere als geradlinig – er war gepflastert mit Schmerzen, Unsicherheit und einem Körper, der ihm phasenweise einfach den Dienst versagte.
Wenn der Arm plötzlich nicht mehr gehorcht
Der Ausgangspunkt des Dramas war ein Rennunfall in Indonesien, den Marco Bezzecchi verursacht hatte. Die Folge: eine Kompression des Nervus radialis, die bei Marquez während der Fahrt zu einem vollständigen und plötzlichen Versagen seines rechten Arms führte – ohne jede Vorwarnung. Der Weltmeister wusste schlicht nicht, was mit ihm geschah.
Erst beim Grand Prix von Frankreich fanden die Ärzte endlich die Ursache des Problems. Noch am Rennsonntag unterzog sich Marquez seinem insgesamt siebten chirurgischen Eingriff an diesem Arm. Keine zwanzig Tage später saß er schon wieder auf seiner Ducati – in Mugello, zunächst mit spürbarer Zurückhaltung, aber mit dem Gefühl, dass eine zentnerschwere Last von ihm abgefallen war.
"Niemand kann sich vorstellen, was ich durchgemacht habe"
Der 93er gibt sich nach außen hin oft unerschütterlich – doch nach seinem jüngsten Triumph am Sachsenring, wo er sein zweites Saisondouble feierte und den dritten Sieg in den letzten vier Rennen einfuhr, ließ Marquez die Maske fallen. Seine Worte waren ungewohnt offen:
"Ich muss mental abschalten. Niemand kann sich vorstellen, welchen Stresslevel ich im ersten Teil der Saison durchlitten habe", gestand der Spanier. "In den ersten fünf Rennen habe ich überhaupt nichts verstanden. Ich bin gestürzt, ohne zu wissen, was passierte, weil die Nerven mir kein Warnsignal gaben."
Die enorme Intensität, die er sich in den Rennen auf dem Balaton-Ring und in Brünn abverlangt hatte, habe er schlichtweg nicht über eine gesamte Saison aufrechterhalten können. "Das ist unmöglich", so Marquez.
Aufholjagd, die alle überrascht hat
Nach Mugello war die Lage aus Marquez-Perspektive düster: Er lag auf dem achten Gesamtrang, satte 102 Punkte hinter dem damaligen Spitzenreiter Bezzecchi. Viele Experten und Fans hatten die Titelverteidigung bereits innerlich abgehakt. Auch Marquez selbst wollte bis vor wenigen Wochen nicht laut aussprechen, was seine Leistungen längst zeigten: dass er zurück im Titelkampf ist.




