MXGP of Germany in Teutschenthal: 2026: 31.068 Fans verwandeln das Event in einen brodelnden Hexenkessel
Ein unvergessliches Motocross-Wochenende im Talkessel: Beim LIQUI MOLY MXGP of Germany 2026 dominierte Lucas Coenen die MXGP-Klasse – und eine historische Vertragsverlängerung sichert Teutschenthal die Zukunft.
Der Talkessel hat wieder gezittert. Am 30. und 31. Mai 2026 verwandelte sich Teutschenthal in Sachsen-Anhalt erneut in das Epizentrum der Motocross-Weltmeisterschaft. Offiziell pilgerten 31.068 Fans zur deutschen MXGP-Runde und sorgten für jene einzigartige Atmosphäre, die diesen Ort im globalen Motocross-Kalender so unverwechselbar macht. Wer einmal im Talkessel war, weiß: Es gibt kaum einen vergleichbaren Ort im Motorsport.
Dass das Wochenende gleich in mehrfacher Hinsicht historisch war, machte es noch besonderer – denn der MSC Teutschenthal e. V. im ADAC feierte 2026 sein 60-jähriges Vereinsjubiläum. Und als wäre das nicht genug, gab es während des Rennwochenendes eine Nachricht, die für die Zukunft des deutschen Motocross kaum bedeutsamer hätte sein können.
Vertrag verlängert: Teutschenthal bleibt MXGP-Heimat bis mindestens 2038
Der wohl wichtigste Moment des Wochenendes spielte sich abseits der Strecke ab: Infront Moto Racing und der MSC Teutschenthal verlängerten ihren Vertrag vorzeitig um weitere zehn Jahre. Ab 2028 ist der Talkessel damit langfristig als Austragungsort der deutschen Motocross-WM gesichert. Vereinsvorsitzender Jens-Uwe Jahnke zeigte sich bei der Pressekonferenz sichtlich bewegt – für den Club, der im Jubiläumsjahr steht, ein starkes Signal für die Zukunft.
MSC-Geschäftsführer Andreas Kosbahn betonte, dass Generationen von Fans die Strecke zu einem der stimmungsvollsten Events im gesamten MXGP-Kalender gemacht hätten. Die gemeinsame Leidenschaft und das gegenseitige Vertrauen mit Infront Moto Racing bilde das Fundament dieser langfristigen Partnerschaft. Mit der neuen Planungssicherheit verbindet der MSC konkrete Ambitionen: Die Gesamtanlage soll kontinuierlich ausgebaut und verbessert werden – für Fans, Fahrer und Medienvertreter gleichermaßen.
MXGP: Lucas Coenen lässt keine Zweifel aufkommen
In der Königsklasse war das Wochenende eine One-Man-Show. Lucas Coenen vom Red Bull KTM Factory Racing Team reiste bereits als WM-Spitzenreiter nach Teutschenthal und demonstrierte von Beginn an seine aktuelle Ausnahmeform. Im ersten Lauf ließ der Belgier der Konkurrenz kaum eine Chance und sicherte sich den Sieg vor
(Monster Energy Yamaha Factory MXGP) und dem Spanier
Ruben Fernandez
(Honda HRC PETRONAS Team).
Während Coenen glänzte, lief es für einige Favoriten gar nicht rund. Jeffrey Herlings, Coenens Teamkollege bei Red Bull KTM, musste nach technischen Problemen vorzeitig aufgeben bzw. verlor entscheidend an Boden. Auch Romain Febvre (Kawasaki Racing Team MXGP), der am Samstag das Qualifikationsrennen gewonnen hatte, blieb im ersten Lauf ohne Chance auf die Spitzenplätze.
Start-Ziel-Sieg im zweiten Lauf – Adamo feiert erstes GP-Podium
Im zweiten Rennen war das Bild noch klarer. Tim Gajser stürzte früh und musste das gesamte Feld an sich vorbeiziehen lassen. Obwohl der Slowene sich tapfer zurückkämpfte und am Ende als 19. immerhin noch WM-Punkte einheimste, war seine Tageswertung damit ruiniert. Coenen hingegen führte das Rennen von vorne bis hinten souverän an und fuhr einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg ein – sein dritter Saisonsieg, verbunden mit einer weiteren Festigung seiner Tabellenführung.
In der Tageswertung folgte auf Coenen Andrea Adamo (Red Bull KTM), der mit den Rängen sieben und drei sein erstes Grand-Prix-Podium in der MXGP feierte – ein bewegender Moment für den Italiener. Rang drei insgesamt sicherte sich Ruben Fernandez, der mit Platz drei und sieben ebenfalls überzeugte.
Coenen selbst sprach nach dem Rennen nicht nur über seinen sportlichen Erfolg, sondern auch über die Vertragsverlängerung: Der Club habe mit der frisch aufgebrachten Erde erneut hervorragende Arbeit geleistet, und für ihn sei die langfristige Bindung ein starkes Zeichen für viele weitere großartige Rennen im Talkessel.
Deutsche Fahrer: Tom Koch als bester Heimstarter
Aus heimischer Perspektive gab es beim MXGP of Germany 2026 reichlich Grund zum Jubeln. Von elf deutschen Wildcard-Piloten qualifizierten sich stolze zehn für die Wertungsläufe – ein beeindruckendes Ergebnis. Bester Deutscher war einmal mehr Tom Koch aus Wormstedt (Thüringen) vom KTM Sarholz Racing Team. Der erfahrene Heimstarter kämpfte sich im ersten Lauf von Position 18 auf Rang zwölf nach vorne und wurde im zweiten Rennen 17. – in beiden Läufen WM-Punkte, obwohl der zwischenzeitliche Regen die Strecke tief und anspruchsvoll machte.
Koch ließ keinen Zweifel daran, was ihn an Teutschenthal so begeistert: Die Fans seien schlicht „Wahnsinn". Vor heimischem Publikum in die Punkte zu fahren, sei jedes Mal ein ganz besonderes Erlebnis. Zur Vertragsverlängerung meinte er, es gebe wenige Strecken in Deutschland, bei denen auch die Infrastruktur so stimme. Der Verein bringe jahrzehntelange Erfahrung mit – nicht zuletzt durch frühere Ausrichtungen des legendären Motocross of Nations. Und der berühmte „Hang der Nationen" bleibe das emotionale Herz des deutschen Motocross.
Ludwig, Spies und weitere Deutsche punkten
Auch Noah Ludwig aus Aschersleben (KTM Sarholz Racing Team) sammelte in beiden Läufen WM-Zähler und belegte die Ränge 14 und 18. Maximilian Spies aus Ortrand (Team Becker Racing) fuhr ebenfalls zweimal in die Punkte und landete auf den Positionen 16 und 20. Weitere klassierte deutsche Piloten waren Cato Nickel, Peter König, Nico Koch, Mark Scheu und Marco Fleissig. Gemeinsam ließen sie sich nach dem Rennen vor dem legendären Hang der Nationen von den Fans feiern – ein Bild, das die einzigartige Verbindung zwischen Fahrern, Anhängern und Austragungsort eindrucksvoll widerspiegelt.
MX2: Valin schlägt Coenen im Tiebreaker
In der MX2-Klasse lieferten sich zwei Fahrer ein packendes Duell. Sasha Coenen, der Zwillingsbruder des MXGP-Siegers, und der Franzose Mathis Valin teilten die Siege unter sich auf: Coenen gewann den ersten Lauf, Valin das zweite Rennen. Da beide punktgleich abschlossen, entschied – wie im Motocross üblich – das bessere Ergebnis im zweiten Lauf. Der Grand-Prix-Sieg ging damit an Mathis Valin, Sasha Coenen wurde Zweiter. Den dritten Podestplatz sicherte sich der Südafrikaner Camden McLellan (Plätze drei und sechs).
Der deutsche MX2-Hoffnungsträger Simon Längenfelder hatte einen durchwachsenen Tag: Im ersten Lauf blieb er mit Platz acht unter seinen Möglichkeiten, doch im zweiten Rennen kämpfte er sich stark zurück auf Rang drei. Wichtige Schadensbegrenzung in der Gesamtwertung – dennoch musste er die WM-Führung an Sasha Coenen abtreten. Die MX2-Meisterschaft bleibt damit höchst spannend.
WMX: Guillen dominiert, van Drunen stürzt früh
Die Frauen-Weltmeisterschaft WMX eröffnete den Rennsonntag unter bestem Wetter. Bereits kurz nach dem Start des zweiten Laufs gab es einen Schockmoment: Die amtierende Weltmeisterin Lotte van Drunen (Niederlande) stürzte im dichten Gedränge und blieb zunächst benommen liegen. Sie konnte das Rennen zwar später fortsetzen, eine vordere Platzierung war für sie damit aber passé.
An der Spitze übernahm Daniela Guillen das Kommando. Die Siegerin des ersten Laufs vom Samstag fuhr auch im zweiten Rennen einen ungefährdeten Sieg heraus – mit mehr als acht Sekunden Vorsprung auf die Italienerin Kiara Fontanesi. Den dritten Gesamtrang sicherte sich Shana van der Vlist (Niederlande), die sich nach Platz neun am Samstag am Sonntag noch aufs Podium katapultierte. Beste Deutsche war einmal mehr Larissa Papenmeier mit Rang sieben.
EMX250: Regen, Schlamm und ein australischer Sieger
In der Europameisterschaftsklasse EMX250 sorgte kurz vor dem zweiten Lauf ein kräftiger Regenschauer für dramatisch veränderte Streckenverhältnisse. Den Kampf mit dem Schlamm gewann der Spanier Francisco Garcia, der als Meisterschaftsführender den Lauf für sich entschied – in der Tageswertung aber keine Rolle spielte, da er am Samstag nach einem frühen Sturz ausgefallen war. Der Gesamtsieg ging an den Australier Jake Cannon, der am Sonntag Zweiter wurde. Neben ihm feierten der Niederländer Gyan Doensen und der Italiener Nicolo Alvisi das Grand-Prix-Podium.
Fazit: Teutschenthal ist und bleibt Motocross-Seele Deutschlands
Der LIQUI MOLY MXGP of Germany 2026 war in jeder Hinsicht ein Fest. Lucas Coenen in der MXGP, Mathis Valin in der MX2, Daniela Guillen in der WMX und Jake Cannon in der EMX250 – vier würdige Sieger, vier packende Titelkämpfe. Dazu starke Auftritte der deutschen Fahrer rund um Tom Koch und eine Kulisse, die ihresgleichen sucht.
Die wichtigste Botschaft des Wochenendes aber ist klar: Der Talkessel bleibt die Heimat des deutschen Motocross – und das dank der neuen Zehnjahres-Vereinbarung noch lange. Für den MSC Teutschenthal, die treuen Fans am Hang der Nationen und den gesamten deutschen Motocross-Sport ist das eine Nachricht, die genauso laut hallt wie der Jubel der 31.068 Besucher an diesem Wochenende.